Spanien

Spanien fasziniert. Nachdem wir einige Eingewöhnungsschmerzen hatten, weil wir kein Wort der Sprache kannten, die Kultur nicht verstanden und auch schon zwei Monate im Auto hinter uns hatten, wurden wir langsam warm mit dem Land. Wir nahmen das Gas raus, besuchten weniger Orte und konzentrierten uns auf das , was uns gefällt: Natur, Strand, schwimmen, Yoga und arbeiten. Wir lernten die wichtigsten Worte, freundeten uns mit der spanischen veganen Auswahl an und saugten die Lebensfreude der Menschen in uns auf. 

Stop#22 Vitoria-Gasteiz

Die ersten Tage unseres Spanien-Trips waren leider nicht von Tapas, Tanz und gutem Wetter geprägt. Wir haben uns einen Freiraum geschafft, um in Ruhe arbeiten zu können. Bei Mollys sustainable life e.V. standen Gespräche mit der HRW über einen gemeinsamen Antrag bei der deutschen Bundesstiftung Umwelt an. Außerdem haben wir gleich bei mehreren Abstimmungen teilgenommen, um Geld für die Leihbrary und den Verein zu gewinnen. Dazu gehören Klimaschutz nebenan, Bring dich ein für deinen Verein und Gut für hier gut fürs wir. Als alles erledigt war, wartete der Gorbeia-Naturpark mit dem 1.500 Meter hohen 
Gorbei-Gipfel, den mysteriösen Buchen Otzarreta und dem Goiuri-Wasserfall auf uns. Der Wasserfall war leider ausgetrocknet, als wir dort ankamen. So etwas hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Das passte allerdings zum Bild, das sich uns bot, seitdem wir die Grenze in den Pyrenäen überquerten und durch die Provinz #Aragon ins #PaisVasco fuhren: hier ist es unfassbar trocken. Die Gräser sind ausgedörrt und braun, Sträucher zeigen sich in Herbstfarben und die Landschaft erinnert teilweise an eine Ödnis. Wir ziehen uns deswegen in die Wälder zurück, da ist die Trockenheit nur stellenweise sichtbar. Wir genießen das Grün und die gemäßigten Temperaturen von ca. 25°C. Im Wald ist es total still und wir begegnen stundenlang niemandem außer Kühen, Pferden und Hunden, die hier als natürliche Landschaftspflege eingesetzt werden. Dazu werde ich ein Reel zusammenschneiden, wir hatten lustige Begegnungen. In den nächsten Tage zieht es uns wohl wieder an die Küste. Langsam vermissen wir das Meer.
 

Stop#23   03.08.2022 Liencres

Der Buchenwald Otzaretta hat für den ausgetrockneten Goiuri-Wasserfall entschuldigt. Diesen Wald fand ich bei meiner Recherche nach den schönsten Wäldern Europas. Er ist zwar nicht besonders groß aber dafür umso schöner. Die Buchen mit ihrem mysteriösem Wuchs verleihen dem Wald etwas märchenhaftes. Sie sahen so lebendig aus mit ihrem Wurzelwerk, das sich entlang des Bodens und der Bachmündung schlängelte. Dazu kam das Moos, was manche Bäume vom Boden bis in die Krone bedeckte. Ich hatte das Gefühl, die Bäume fangen gleich an, sich zu bewegen wie die Ents bei Herr der Ringe. Ein Gedanke ging mir in diesem Wald durch den Kopf: wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die diesen Bäumen mehr Beachtung schenken als dem Rest des Waldes. Die Wildpferde zum Beispiel machen da keinen Unterschied. Wir Menschen haben schon einen Sinn für Schönheit. Oder liegt es nur daran, dass wir es darauf anlegen, etwas Besonderes in Dingen sehen zu wollen? Da bin ich zu keinem Schluss gelangt. Auf jeden Fall gefällt mir dieser Wald. Und auf der Wanderung Wildpferden mit Fohlen und wilden Kühen mit Kälbern zu begegnen, das hat mich glücklich gemacht.
Ein paar Tage später besuchten wir die El-castillo-Höhlen. Dort drin ist es verboten Fotos zu machen. Die Höhle ist erstaunlich geräumig und verwinkelt, die Wände mit Stalagmiten und Stalagtiten gesäumt. An dem Stein finden sich Höhlenmalereinen aus der Steinzeit, die mehrere tausend Jahre als sind. Die Menschen haben Tiere, Handabdrücke und andere Symbole gemalt. Diese Malereien sind eindeutig als Kunst zu identifizieren, auch wenn die Bedeutung mir nicht klar geworden ist - da half es auch nicht, dass die Führung in spanischer Sprache war 😅.
Auch hier wird wieder dieser Sinn für Schönheit bzw. der Wunsch etwas Besonderes schaffen zu wollen sichtbar.
Die Höhlen waren eine Reise in die Vergangenheit. Abends wirkte das noch nach und ich kam mir hyper-modern vor, wie ich Auto fahre und ein Hörbuch über das Smartphone höre. Zwei vollkommen verschiedene Welten und doch die selbe.

Stop#24   06.08.2022 Cóbreces

Wir nähern uns Santiago de Compostela und sind auf einer privaten Wiese direkt am Meer gestrandet. Das ist eine Art Campingplatz. Wir können hier für 8€ stehen und haben Glück. Am Strand nebenan gibt es Duschen, einen Wasserhahn und Toiletten. Wir begegnen immer wieder Jakobspilger*innen, die natürlich auch auf solche Infrastruktur angewiesen sind. 541 km sind es von hier aus noch bis Santiago. Vorgestern haben wir von jemanden zwei Folienkartoffeln geschenkt bekommen, die dieser in der Glut eines Feuers gebacken hatte. Die waren butterweich. Er bot uns auch die Überreste seiner Glut an, damit wir dort grillen können. Wie haben die Kartoffel mit Frischkäse von violife und Kräutern gegessen und uns Burgerpattys aus Quinoa gebraten. Das war herrlich. Und wieder mal so eine tolle Geste der Menschlichkeit, die wir da erfahren haben. Einfach jemandem Feuer und Essen überlassen, was man nicht mehr braucht. Er hat sich einfach umgeschaut und die Gelegenheit erkannt, mehr braucht es manchmal gar nicht.
Für den September haben wir etwas aufregendes geplant. Über @workawayinfo haben wir uns mit Ildi und ihrer Tochter Abbey connected. Die beiden sind super nett. Sie leben in Portugal auf einem Grundstück in den Bergen und betreiben dort Permakultur. Wir werden dabei helfen, den Garten für den Winter vorzubereiten, zu ernten und Holz zu hacken. Im Gegenzug dürfen wir in ihrem Campervan wohnen und wir Essen gemeinsam mit Ihnen. Ihr Grundstück wirft so viel ab, dass wir davon fast ausschließlich leben können, da freuen wir uns riesig drauf. Wenn alles so schön ist, wie es scheint, bleiben wir dort einen ganzen Monat. Abbey hat @j.ostr versprochen ihr das Surfen beizubringen 😍 Wir sind total begeistert von der bisherigen Erfahrung, das Abo auf der Plattform kostet lediglich 54€ pro Jahr für Paare. Wenn das gut läuft, wollen wir weitere workaway-hosts kennenlernen. Das könnte eine Möglichkeit für uns zu Überwintern...es bleibt spannend.

Stop#25   10.08.2022 Fuente Dé

Wir sind in den Bergen des Nationalpark Picos de Europa angekommen und zwar mit einer 9-stündigen Wanderung. War das geplant? Nö. Wir haben bei Cobréces ein nettes französisches Pärchen kennengelernt, die wir hier zufällig wiedergetroffen haben. Die beiden haben uns eine Route empfohlen. Schon nach dem Anstieg war uns klar, das wird ein Gewaltmarsch. Die Felswand, die hier 1000 Meter in die Höhe ragt, ist ein echter Gegner. Doch wir wollten nicht aufgeben. Danach wurde es ruhiger, bevor die letzten Meter vor der Hütte, die unser Ziel markierte, noch einmal an mehrere Bergspitzen entlang führte und uns alles abverlangte. Nach insgesamt 5 Stunden kamen wir um 17:00 am Refugio Diego Mella an. Dort konnten wir dann die wahnsinnige Aussicht genießen. Wir trafen eine nette Wandertruppe und mit zwei Bier in der Sonne und einem netten Gespräch auf den Lippen fiel es uns schwer den Rückweg anzutreten. Doch wir hatten keine Wahl, die Hütte hatte keinen Platz für spontane Gäste, weil so weit oben in den Bergen alles geplant sein muss. 5 Minuten bevor das letzte Tageslicht erlosch, erreichten wir unser Auto. Ein rundum gelungener Tag und eine Wanderung, die ich nie vergessen werde. Ich sah Geier, Bergziegen, unendlich viel Weite und den Mond über den Bergen.
Hier sind wir auch endgültig in Spanien angekommen. Die beeindruckende Kulisse des #portaldepicos hat uns entschleunigt. Wir haben das Gas rausgenommen und stehen hier schon seit mehreren Tagen. Unser Blick aus dem Auto fällt direkt auf die Steilwand des Felsenkessels und wir können die Leute beobachten, die mit der Gondel die Höhenmeter überbrücken, die wir zu Fuß bewältigt haben. Nur die Vorräte und der Strom werden uns in den nächsten Tagen dazu bringen, den Ort hinter uns zu lassen und weiter zu ziehen. So schön kann es weiter gehen😍

Stop#26   13.08.2022 Riaño

Wir sagt man, alle guten Dinge sind drei, oder so? Schon das Dritte Mal auf dieser Reise haben Jenny und ich das gesamte Auto ausgeräumt, umgeräumt und ausgemistet. Obwohl wir nur zwei Personen, ein Auto und eine Dachbox sind, fahren wir Dinge durch Europa, die wir einfach nicht benutzen. Dinge, die uns belasten. Wenn ich an den Dachboden bei Jennys Eltern denke, graust es mit, dort haben wir nach unserem Umzug aus Mülheim nach Geilenkirchen alles gelagert, was wir behalten wollten. Unsere Wohnung war jetzt nicht riesig, wir hatte 60 m2 und einen Keller und während des Umzugs sind wir schon einmal kräftig Zeug losgeworden. Doch immernoch haben wir so viel behalten, wo wir uns fragen, warum? Sobald wir in der Heimat sind, werden wir auch noch einmal rigoros ausmisten, das spüren wir. Wir kaufen nicht einmal ständig Neues Zeug, wenn neuer Platz ist. Wir haben einfach das Bedürfnis gute, gepflegte, funktionale und schöne Dinge zu besitzen, die uns nützlich sind und über die wir eine Übersicht haben. Diese Reise ist neben allem auch ein langsamer, andauernder Prozess des Aufräumens. Ich fokussiere mich immer mehr auf die Dinge, die mir wichtig sind. Das findet neben dem Äußeren vor allem im Kopf statt. Das ist auch sehr anstrengend und manchmal bin ich tagelang blockiert, bis sich ein Knoten löst und ich wieder ein Stück klarer bin. Das macht unglaublich Freude, wenn so ein Durchbruch passiert. Es ist aber auch sehr ermüdend, wenn er sich nicht lösen möchte, dann ist das Reisen auch belastend. Ich glaube, so fühlt sich eine Schlage, wenn sie sich häutet.
Jetzt fühlt es sich wieder leicht an. Ich habe so Bock darauf, diese Reise fortzusetzen. Ich möchte Spanien entdecken, Nationalparks kennenlernen, Natur entdecken, ich möchte nach Portugal, ich möchte das Workaway machen, gerade möchte ich die ganze Welt bereisen.
Und 25.09 haben wir eine Verabredung in Monchique, also haben wir einiges vor uns 😁

Stop#27   17.08.2022 Gijon


Gijon hat uns sehr gut gefallen. Wir konnten von unserem Platz die herrliche Promenade entlang mit dem Skateboard bis in die Stadt fahren. Dort gibt es ganz viele Möglichkeiten, vegan essen zu gehen. Es schmeckte uns so gut, dass wir an einem Tag sogar zweimal essen waren. Am speaktakulärsten war ein Reisgericht in einer Ananas serviert. Dort wären wir gerne länger geblieben, hätte ich nicht das Autoradio angelassen und unsere Batterie so in einen Ladezustand versetzt, der uns zum Weiterfahren zwang. Gijon ist definitiv eine Reiseempfehlung von mir - das ist bei Städten echt selten. Da gibt es für jeden etwas, von Vanlife über 2-wöchigen Familienurlaub am Strand bis zum Partytrip ist alles möglich.
Eine andere Reiseempfehlung von mir ist Covadonga, was weniger verwundert, weil ich für Natur immer zu haben bin. Allerdings ist es auch ein Abenteuer, wenn man auf eigene Faust zu den Lagos de Covadonga möchte. Wir mussten um 7:00 die 11 km Serpentinenstraße antreten, weil ab 8:00 so viel los ist, dass die Zufahrtsstraße für Privatpersonen gesperrt wird. Dann kommen nur noch Busse hoch, welche ein Abenteuer für sich sind. Die Straße ist unglaublich eng, auf ihr liegen Kühe und Schäferhunde und machen in aller Seelenruhe eine Pause. Ein Bus vor uns lag so schief, dass ich mich nicht gewundert hätte, wäre er auf die Felsen gekracht. Nachdem ich den Aufstieg bei Dunkelheit gemeistert hatte, kochten wir erstmal einen Kaffee und genossen den herrlichen Blick auf den Lago Ercina. Die anschließende Wanderung zum Lago Enol war magisch. So viel Grün, so viele Tiere, so schöne Berge, Felsen, die aussehen, als würden sie leben.
Mit dieser Tour ging eine tolle Zeit im Nationalpark Picos de Europa zu Ende. Es waren atemberaubende Erlebnisse. Aber diese Straßen brauche ich nicht noch einmal. Wir brauchen 1:30 für 80 km von Riaño bis Covadonga. Ich konnte nur 40-50 km/h fahren, weil der Weg durch Felstunnel führte, mehrere Kehrtwendungen machte sowie hunderte Höhenmeter beinhaltete. Aber das gehört dazu, wenn man Abenteuer bestellt 🔥

Stop#28   20.08.2022 Rianxo

Ich habe heute gemerkt, wie unwichtig mir überlaufene Touristenhotspots sind. Diese Orte sind atemberaubend, ich verstehe, warum sie die Leute anziehen. Aber es sind halt viele Leute und dort gibt es Regeln, die ich nicht nachvollziehen kann, weil sie bei näherer Betrachtung für mich löchrig sind. Am Ende frage ich mich dann, war es das wert? Zum Beispiel am Playa de Cathedrais konnten wir den Strand nicht besichtigen, weil wir eine Online-Reservierung gebraucht hätten. Spontan ging nichts, ausgebucht für die nächsten 4 Tage. Dafür verließen wir einen wunderbaren Platz auf einer Klippe mit Blick auf einen Surferstrand und Dusche. Ruhige Orte in der Natur sind schöner. Das strahlt auf mich ab und auch ich komme zur Ruhe. Da fällt mir auf, dass ganz viel, was mir wichtig ist, schon da ist. Ruhe bewahren und meine Fear of Missing Out besänftigen.
@mollys_sustainable_life, die #Leihbrary, das sind Projekte, die ich mit Herzblut unterstütze. Und natürlich Jenny, ich liebe sie und ich liebe es mir ihr zu reden und zu philosophieren, das kann ich stundenlang machen. Ich lerne gerne Neues und bin neugierig. Aber das brauche ich nicht immer, das braucht Balance.
Ich möchte gerne mehr Klarheit und Ruhe. Ich möchte Zeit mit mir selbst verbringen. Meine eigene Zeit erscheint mir unglaublich wertvoll. Zeit für mich ist nicht fancy aber es ist meine Zeit. Das ist mir wichtig, ansonsten habe ich das Gefühl mich selbst zu verpassen.
Dann habe ich so einen Frieden in mir. Ich habe aber auch Angst, dass dieser Frieden mir weggenommen wird zum Beispiel, weil ich irgendwann kein Geld mehr habe. Das macht mich traurig. Dann denke ich manchmal, ich muss jetzt was tun, damit ich in Zukunft Geld habe und sicher bin. Dann verliere ich diesen Frieden und diese Ruhe. Ich möchte Vertrauen gewinnen, dass dieser Frieden mir gehört, dass niemand das Recht hat ihn mir wegzunehmen. Und ich kann ganz alleine entscheiden, was ich tun möchte und was nicht. Der Friede beginnt in mir.
Eigentlich gibt es noch so viel mehr zu erzählen. Unsere Batterie sprang nicht an...aber der Blog ist zeichenbeschränkt und das ist gut so. Geh raus und genieße das Leben ❤️😁

Stop#29   24.08.2022 Pontevedra

Habe ich schonmal erzählt, dass ich überhaupt nicht gerne Auto fahre? Ich habe meinen Führerschein auch erst mit 23 gemacht. Wenn mein Opa vor seinem Tod nicht Geld zur Seite gelegt hätte, damit ich den Führerschein bezahlen kann, hätte ich ihn vielleicht nie gemacht. Damals habe ich es nur ihm zu Liebe gemacht, heute fahre ich mit dem Auto durch Europa und bin heilfroh, dass der alte Mann schlauer war als ich. Mein Opa ist ein wichtiger Mensch für mich. Dass ich gerne mit dem Fahrrad fahre oder zu Fuß gehe, habe ich wohl auch ein Stück weit von ihm.
Wir sind gerad in Pontevedra. Ich liebe es hier, auch weil wir momentan ziellos sind. Das erste mal seit dem Anfang unserer Reise, als wir stets sagten, einfach an der Küste lang, egal wohin. Das ist ziemlich schnell zu einer Sightseeing-Tour geworden, das war uns zu anstrengend. Jetzt bleiben wir wieder einfach, wo es uns gefällt, hauptsache an der Küste entlang. Den Platz hier haben wir gefunden, nachdem wir drei Plätze angefahren hatten, die uns nicht gefielen. Wir sind ruhig geblieben und wurden belohnt. An dem Tag hatte ich bis 14:00 kein frisches Wasser. Unsere Vorräte gingen zu Neige und die Wasserquelle, die wir im Auge hatten war kein Trinkwasser. Nach langer Suche fanden wir einen Trinkbrunnen. Die Suche nach Trinkbrunnen gestaltet sich immer schwieriger, wegen der Trockenheit hier sind viele Trinkbrunnen und öffentlichen Duschen abgeklemmt. Es kommt hinzu, dass manche Wasserhähne so voller Chlor sind, dass ich davon auf Dauer Kopfschmerzen bekomme. Wir mussten sogar 3 Wasserflaschen kaufen, für mich war das eine echte Überwindung. 🤣 Alles in allem geht es uns natürlich gut. Das Leben ist einfach. Es gibt schwierige Aufgaben, ja, und es ist auch nicht durchgehend schön. Das Zusammenleben mit andern Menschen ist für mich auch nicht immer leicht. Aber es gibt für alles eine Lösung. Mit Geduld, Ruhe und Akzeptanz der Situation finden wir immer eine Lösung. In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit.

Nos vemos luego España und Olá Portugal

Nachdem wir die Nordküste Spaniens bereist haben, führte uns unser Weg nach Portugal. Erfahre, wie es uns an der westlichsten Küste Europas ergangen ist. 


2022

Stop#49   02.11.2022 Lepe

Was ist eigentlich Intuition. Und was passiert eigentlich, wenn man alles intuitiv macht? Also wirklich alles, arbeiten, essen, Sport, reden und so weiter, einfach alles. Ich habe Mal eine YouTube-Werbeanzeige gesehen, da ging es genau darum. Der Mann sagte, ich hatte eines Tages diesen verrückten Gedanken, was, wenn ich meiner Intuition folge, egal, was sie mir auch sagen mag. Ich habe sie nie angeklickt. Ich dachte mir, das kann ja nur schiefgehen. Doch die Anzeige ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ständig fiel mir ein neues Argument ein, was schiefgehen würde. Doch mit der Zeit...Der Mann sah glücklich, zufrieden und gesund aus. Irgendwie hatte er eineAusstrahlung, die über das Video hinaus transportiert wurde, ganz komisch zu beschreiben. Aber das ist bestimmt Marketing... und was wenn nicht? Was wenn es so einfach ist und wir unseren inneren Kompass besitzen, der weiß, wo es lang geht. Wie der Kompass von Jack Sparrow aus der Fluch der Karibik. Ein Kompass, der immer auf das zeigt, was wir möchten und uns zuverlässig ans Ziel bringt. Was hat man denn eigentlich groß zu verlieren? Und den Gewinn, den kann man doch irgendwie spüren. Es wäre einfach ein Leben, das zu einem passt, das eigene Leben. Kann es so einfach sein?

Apropos Kompass. Für uns geht es jetzt wieder zurück. Naja, sozusagen. Monatelang ging es für uns nach Westen, den Südwestlichen Punkt Europas haben wir aber jetzt hinter uns gelassen. Westlicher kommt man mit dem Auto nur per Schiff. Wir fahren also ab jetzt Richtung Osten. Heute passierten wir die Grenze nach Spanien über den Rio Guadiana. Am Freitag geht dann die Fähre in Richtung Teneriffa, da wartet eine 40-stündige Überfahrt auf uns. Aufregende Vorstellung.

Stop#50   09.11.2022 San Juan del Reparo

Ganz schön viel passiert hier in den letzten Tagen. Diese Fährfahrt war eine echte Kontaktbörse. Dadurch, dass man das selbe Schicksal teilt - man will zur Insel und hat tagelang nichts zu tun - kommt man ins Reden. Ich half einer Frau und einem Mann dabei sich mit dem Schiffswlan zu verbinden. Abends saßen wir dann alle zusammen. Die Frau gab uns hilfreiche Tipps für die Insel. Unter anderem einen Kontakt zu jemanden, "den wir unbedingt kennenlernen müssen, der passt zu uns". "Den Mann, den wir unbedingt kennenlernen müssen" trafen wir in einem Café. Er startet auf La Palma - eine Nachbarinsel - von Null. Er möchte Permakultur, Eisbäder und Meditation umsetzen, genau unser Ding. Falls es uns nach La Palma zieht, werden wir ihn besuchen. 
Mit dem Mann vom Schiff verabredeten wir uns spontan. Er besitzt zwei Grundstücke, für die er große Pläne hat. Dabei braucht er einen Haufen helfender Hände. Dort sitze ich jetzt heute Abend auf der Dachterrasse nach dem ersten Arbeitstag.
Eines anderen abends mitten im Wald, wir waren gerade am Kochen, sahen wir ein Pärchen vorbeikommen. "smells delicious" rief der Mann rüber. Spontan lud ich sie ein, sich dazu zu setzen. Es stellte sich heraus, dass sie gerade den ersten Abschnitt einer mehrtägigen Wanderung durch das Gebirge absolviert hatten. Da kam die Mahlzeit gerade Recht. Außerdem wollte ihr Gaskocher nicht so richtig funktionieren...es stellte sich heraus, dass sie die falsche Kartusche hatten. Zum Glück hatten wir eine als Ersatz, die passte. So konnten wir ihnen nicht nur mit einer Mahlzeit weiterhelfen, sondern auch ihren Urlaub retten, da sie ansonsten die nächsten Tage mitten im Gebirge keine Möglichkeit gehabt hätten, zu kochen. 
Und als ob das nicht genug der Zufälle wäre: wir haben vor Monaten mit jemandem über die work-and- travel- Plattform Workaway geschrieben. Es ging darum, ob wir bei ihm eine Weile bleiben können und mithelfen. Der Kontakt brach allerdings ab. Auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht fanden wir einen geeigneten bei der App Park4Night. Als wir dort ankamen, trauten wir unseren Augen nicht, es war genau der Mensch, mit dem wir vor Monaten geschrieben hatten. Ist das geil?

Stop#51  12.11.2022 San Juan Del Reparo#2

Coole, neue Roadtriperlebnisse. Jeden Tag woanders schlafen. Spaziergänge über atemberaubende Steilklippen, weiße Strände, Berge, schlafen in der Natur, jede Menge Begegnungen und Spaß. Alle, die solche Geschichten mögen, muss ich vorerst vertrösten. Wir haben was anderes cooles, da wir wieder bei jemandem für Kost und Logis untergekommen sind. Es ist gerade einmal zwei Wochen her, dass wir unser letztes Workaway in Portugal verlassen haben. Und gerade erst haben wir wieder Fahrt aufgenommen im wahrsten Sinne des Wortes. But life is what happens while you plan other things, right? Und so kam es, dass uns Hilker und Corinna anboten, bei ihnen zu helfen. Das Päarchen aus Köln hat ein altes Haus auf Teneriffa gekauft. Im Norden der Insel in San Juan del Reparo. Das Haus verlangt einiges an Liebe. Die letzten Tage verbrachten wir also mit Farbe von Wänden abkratzen, neue Stromleitungen legen, Gipsdecken einziehen und so nem Kram. Klingt erstmal nach nem schlechten Tausch im Gegensatz zu Roadtrip. Aber Hilker und Corinna sind wahrlich herzlich. Ihre Gesellschaft macht so eine Freude, da vergeht die Arbeit wie im Flug. Gott, die Welt und noch vieles mehr, die Gespräche fließen wie aus einem Guss. Außerdem kümmern sie sich nach allen Regeln der Kunst um unser Wohl. Vor und nach der Arbeit gehört das Grundstück Jenny und mir alleine. Wir haben unser Zelt auf dem Dach aufgeschlagen. Von dort aus genießen wir einen 180° Blick auf das Meer. Wir sehen das unendliche Blau des Atlantik. Die Temperaturen liegen bei sommerlichen 25° Celsius und der Himmel strahlt in allen erdenkbaren Blautönen. Es ist sooooo wahnsinnig schön. Wir sitzen morgens auf dem Dach und genießen den Kaffee. Dabei sehen wir die Wellen an den knorrigen Vulkangesteinklippen zerschellen. Und wenn dann abends der Mond über dem Meer aufgeht, das ist pure Magie, dann ist innehalten angesagt. Wandern möchten wir dennoch nicht missen. Der Teide ruft uns. Das ist mit 3800 Metern Höhe der höchste Gipfel Spaniens. Das Gelände um ihn herum ist Nationalpark. Ohnehin gilt die Insel als Wanderparadies. Uns wird also nicht langweilig. Und dass es vorerst kein Roadtrip bleibt, verkraften wir.

Stop#52   16.11.2022 San Juan Del Reparo#3

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben schwarzen Sand gesehen. Das hat mich wahnsinnig fasziniert. Klingt unglaublich aber ich war begeistert wie ein kleines Kind und ich war nicht der Einzige. Es war so unwirklich, weil man ja weiß wie Sand eigentlich aussieht, gelb halt und dann gibt es noch diesen weißen karibischen, aber schwarzen Sand? Das war neu. Das Schöne war, dass ich so überrascht war. Das passiert einfach selten. Man weiß halt, wie die Dinge aussehen, man weiß, was es alles so gibt auf der Welt und man ist irgendwie auf alles vorbereitet. Woran das liegt, weiß ich nicht so genau. Man hat alles irgendwie schonmal gesehen oder man geht davon aus, dass alles möglich ist oder ist zu gestresst, um es wahrzunehmen. Dann wirklich mit etwas konfrontiert zu sein, dass man nicht erwartet hat, ist ein schönes Gefühl. Die Menschen dort am Strand haben sich ganz eigenartig verhalten. Wir beobachteten Männer, die sich den Sand entlang ins Meer rollten. Einer rieb sich mindestens eine halbe Stunde lang den Sand überall über den Körper wie ein kleiner Junge. Andere bewarfen sich mit Sandkugeln, erwachsene Menschen! Ich selbst warf einige schwarze Sandkugeln ins Meer. Das war ein schönes Erlebnis. 
An dem Tag gab es noch mehr schöne Überraschungen: eine vegane Döner-Pizza mit Pommes. Was für ein Traum für mein jugendliches Ich. Ich verschlang sie mit Wonne und erzähle Jenny vergnügt, dass es sowas viel zu selten gibt. Sie selbst hatte eine Lasagne, die ich auch zur Hälfte verspeiste. Sie schmeckte wie diese Fertiglasagnen aus dem Kühlregal. Wenn man die zwei Jahre nicht gegessen hat, ist das ein Traum. Zum Nachtisch vernaschten wir ein Crepes mit Nutella und Stracciatella-Eis. Dazu gab es eine Spezialität aus Teneriffa. Ein Schichtkaffee, der Barraquito genannt wird. Die Schichten bestehen aus Kaffee, Milchschaum und gesüßter Kondensmilch. Alles vegan, versteht sich. Oben drauf ist Zimt. Was für eine süße Schlacht. Ich denke, auch Erwachsene sollten sich öfters wie Kinder benehmen, spielen, fasziniert sein und Spaß haben.

Stop#53   19.11.2022  San Juan Del Reparo#4

So langsam werden wir richtig warm mit der Insel. Von unserem Basecamp auf dem Dach einer alten Ruine aus schwärmen wir in alle Himmelsrichtungen aus. Wir besuchten den Barranco del Infierno. Das ist eine Schlucht mit Wildwest-Atmosphäre. Dort herrscht Helmpflicht und vor allem im letzten Teil des Tals sind längere Stops aufgrund des hohen Steinschlagrisikos verboten. Man hat also nur wenige Minuten, um das Naturschauspiel zu bestaunen, was für die Entstehung dieser Landschaft verantwortlich ist. Das Wasser hat dieses Tal geformt und dessen Ende befindet sich ein Wasserfalls. Anfangs wirkt es noch wie ein Todestal und selbst bei gerade einmal 25° C kommt einem diese Landschaft wie ein Schmortopf vor. Passend dazu kreisen Greifvogel über die Köpfe. Allerdings sind es keine Geier sondern Falken, Bussarde und Felsenkrähen. Einige dieser Vögel gibt es nur auf den Kanaren, ebenso wie einige der Pflanzenarten, die am Hang des Tals wachsen: kanarischer Mäusebussard, Kanaren-Wolfsmilch, Kanaren-Zilpzalp, um nur einige zu nennen. Dazu gesellen sich Kakteen und runden die Atmosphäre ab. Nach der Hälfte der Wanderung wechselt das Gelände sein Gesicht. Die Wände rücken näher zusammen, weniger Licht kommt von oben rein, die Vegetation wächst dichter und höher. Es erinnert von der Temperatur und vom Aussehen jetzt an einen Wald. Jetzt können wir auch das Wasser sehen - zurzeit ist es sehr trocken - glasklar schlängelt es sich hier entlang des Weges. Dass es kein reißender Fluss ist und der Wasserfall eher dünn aussieht liegt daran, dass die Regenzeit kurz bevor steht. Dennoch beeindruckt das Element, man möchte am liebsten reinspringen und sich unter dem Wasserfall duschen. Doch ein Ranger passt auf, man soll die Natur respektieren, was wir selbstverständlich tun.
Von dieser Landschaft wollen wir mehr erleben. Wir haben bereits weitere Abenteuer geplant: eine Wanderung zu einem Geister-Dorf, das für Lepra-Erkrankte gebaut aber nie bewohnt wurde, eine Paddeltour entlang der Gigantos-Klippen und eine Wanderung um den Chinyero - ein Vulkan.

Stop#54   24.11.2022 San Juan Del Reparo#5

Ich möchte noch von einer Begegnung erzählen, die bereits einige Zeit zurückliegt, aber mir tief im Gedächtnis geblieben ist. Und zwar die Begegnung mit Carlos. Wir fuhren morgens guter Dinge nach Sintra. Das ist ein weltberühmtes Touristenziel und Kulturerbe der UNESCO in der Nähe von Lissabon. Erst einmal parkten wir unser Auto, dann gingen wir in ein Café. Dort stärkten wir uns für den Ausflug, quatschen nett mit den Angestellten und ließen uns beraten, wie wir am besten die größten Menschenmengen vermeiden. Gut gelaunt und gesättigt traten wir unseren Tagestrip an, der pro Person 15 € Eintritt kostete. Es war ein herrlicher Tag und ein echtes Erlebnis. Abends suchten wir sehr müde einen Parkplatz zum Schlafen. Wir fanden einen, der nicht besonders schön wirkte: überall Laternen, eine Straße direkt daneben, es roch nach Urin. Aber wenigstens konnten wir mit Blick auf das Meer parken und es war ja nur für eine Nacht, wir waren echt müde.
Aus dem Auto neben uns kam ein gut gelaunter Mann auf uns zu und sprach uns an, das war Carlos. Er stünde schon länger hier, sagte er. Der Parkplatz sei noch schlimmer als es den Anschein machte. Nachts kämen Jugendliche und hören laute Musik und nehmen Drogen. Das bewahrheitet sich auch über diese Nacht habe ich in Blog #35 bereits berichtet. Das kam uns komisch vor, wieso sollte jemand an so einem Ort auch nur länger als eine Nacht stehen, wenn er sowas weiß? Es stellte sich heraus, dass der gut gelaunte Carlos erst seit Kurzem überhaupt ein Auto hatte. Er hatte lange Zeit seines Lebens auf der Straße gelebt. Momentan hätte er einen Job, den bringt er zu Ende und wartet auf seinen Lohn. Er hat nur noch Benzin für die nötigsten Fahrten. Sobald er sein Geld hat, kauft er neues uns fährt Richtung Süden. Da sind die Nächte nicht so kalt. Das brachte uns ganz schön zum Nachdenken. Wir machen das hier aus freien Stücken und sehen das Leben im Auto als eine Reise mit Abenteuercharakter. Wenn es schief geht, nehmen wir unser Erspartes und gehen wieder zurück in unser alter Leben. Aber für diesen Mann bedeutet das Leben im Auto ein Upgrade. Eine Möglichkeit dem Leben auf der Straße zu entkommen. Das war hart zu verarbeiten. Wir unterhielten uns noch lange. Wie boten ihm an, seinen Sprit zu bezahlen. Er lehnte dankend ab. Stattdessen schrieb er uns seine Mailadresse auf. Wenn wir irgendwelche Probleme hätten und wenn es auch nur Übersetzungsschweierigkeiten seien, sollten wir uns melden. Den Zettel habe ich immernoch in meinem Rucksack, so einen Kontakt wirft man nicht weg. Wir hatten noch einen Beutel Kaffee übrig, den nahm er dann doch an. So ist das auf Reisen. Man unterhält sich, spricht über Probleme und wenn es geht, hilft man sich mit irgendwas aus. Egal, wo man herkommt und wer man ist.

Stop#55   29.11.2022 San Juan Del Reparo#6

Am 26. November waren es hier 33°C. Zwar ist das Wetter nicht jeden Tag so aber es hält aktuell echt, was wir uns von den Kanaren versprochen haben. Wir können ans Meer und sind fast jeden Tag wandern - wenn wir nicht gerade in der Ruine helfen. Gleichzeitig wird hier auf der Insel überall Weihnachtsbeleuchtung aufgehangen und eine Weihnachtslotterie beworben - das ist hier wohl so ein Ding. Weihnachtsstimmung kommt bei mir nicht auf, kenne es einfach seit 26 Jahren anders. Aber wie sagt man so schön? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die Berge und das Meer hingegen faszinieren mich Tag für Tag aufs Neue.
Der Blick morgens von unserer Dach-Terasse bleibt atemberaubend. Damit er es auch in der 3. Woche noch bleibt, nehme ich mir bewusst Zeit und schaue aufs Meer. Habe auf dem Weg hierhin am Fährhafen in Huelva jemanden kennengelernt, der Tai-Chi unterrichtet. Er erzählte mir von Stehmeditationen. In der ursprünglichen Lehre verbringt man wohl die ersten 100 Tage als Tai-Chi-Schüler*in ausschließlich mit Stehmeditationen. Da ich gerne meditiere und das bisher nur im Sitzen und Liegen gemacht habe, probieren ich jetzt auch immer öfter Stehmeditationen aus. Einfach stehend auf das Meer schauen und den Körper und den Atem spüren. Mit solchen Techniken konnte ich auch dem Novemberwetter und der Vorweihnachtsstimmung in Deutschland  immer etwas abgewinnen. Ich weiß noch genau, wie gerne ich die kürzeren Tage hatte, morgens im Dunkeln mit dem Kaffee auf die Lichter der Stadt schauen, abends mit dem Mantel durch die kaltnassen Straßen. Ich zog die kühle Luft ein und die Finger brannten vor Kälte. Da fühle ich mich lebendig.

Sonder-Geburtstagsblog 04.12.2022

Geburtstag unter Palmen. Eigentlich ist alles geplant. Jenny hat alles durchdacht, aufstehen, Kaffee, losfahren nach Los Gigantes und dort dann auf einen Katamaran. Im Preis enthalten sind Essen und Trinken so viel wir möchten. Eine 3-stündige Bootsfahrt durch die Gebiete um die Insel, wo man Wale und Delfine beobachten kann. Danach geht es in eine Bucht,wo man ins Wasser springen und schnorcheln kann. Nach diesem Erlebnis wandern wir über die Klippen, genießen die Aussicht, um dann den Tag in einem Restaurant ausklingen zu lassen. Für den Notfall ist Picknick und alles mit im Rucksack. Was soll da schiefgehen? Wir fahren los, das Wetter stimmt, irgendwo auf der Insel scheint eigentlich immer die Sonne. Aber der Wind ist ganz schön stark... Das sagt dann auch die Frau von der Waltour. Das große Boot kann heute nicht raus, mit nem kleineren ohne Essen könnten wir mitfahren, Seegang wird stark sein und Wale wahrscheinlich eher versteckt bei dem Wetter. Schnorcheln ist auch nicht. Mittwoch könnten wir es nochmal versuchen. Also umgebucht. Zum Glück sind wir flexibel. Dann lass doch zum Teide. Die Teide-Webcam zeigt aber einen undurchdringlichen Nebel an... Aber da ist es doch ganz nice. Die Webcam zeigt einen Sandstrand mit Palmen und schönem Wetter. Ab nach Los Christianos. Dort finden wir dann ein leckeres veganes englisches Brunch. Mit allen Sauereien, die man sich denken kann, Bacon, Würstchen, scrambled-Tofu und so weiter. Danach ab an den Strand. Geburtstag als deutsches Dezember-Kind bei 26° am Strand, das kenne ich anders. Da heißt das Motto: Sonnencreme anstatt warmen Kakao und ab ins Meer. Nachher schlenderten wir noch über die Promenade und genossen den Sonnenuntergang bei chilliger Live-Musik. Fazit: erstens es kommt anders, zweitens, als man denkt. Alles gut wird es trotzdem 😁

Stop#56   07.12.2022 Cueva del Viento - Icod de los Vinos

Viele Kanarios - so nennen sich die Einwohner*innen der Inseln - zog es um 1800 in die neue Welt nach Südamerika. Vielleicht wegen des Vulkanismus? Über 130 Vulkane gibt es alleine auf Teneriffa. Im Prinzip ist es übrigens nur ein Vulkan, der Teneriffa. Das Wann eine Ausbruchs kann man ganz gut vorhersagen, das wo allerdings nicht. So kann es auf der ganzen Insel passieren. Das Risiko ist real, was der Ausbruch auf La Palma, eine Nachbarinsel, die wir bei gutem Wetter von der Terrasse aus sehen können, im Jahr 2021 eindrucksvoll bewiesen hat. Vulkane haben Zyklen. Dass es auf La Palma zu einem Ausbruch kommt, wusste man spätestens 2 Wochen vorher sehr genau, der Zyklus dort beträgt circa 50 Jahre. Dass Teneriffa bald auch wieder "dran ist", überrascht Expert*innen nicht. Hier ist der Zyklus circa 120 Jahre, der letzte große Ausbruch war 1907. Kurz vor einem Ausbruch nimmt die Menge an Erdbeben im Vulkan gleichmäßig zu, das ist ein sicheres Indiz.
Die Lava im Inneren der Lavaröhren auf La Palma ist immernoch mehrere hundert Grad heiß und es könnte sogar sein, dass es erneut zu Aktivität kommt. Menschen können dort erst in mehreren Jahren Forschung betreiben, erste Drohnenflüge gab es aber wohl schon. Da halten wir uns doch lieber an die bereits erkalteten Röhren, um mehr über den Vulkanismus zu erfahren. 27.000 Jahre alten Lavaröhren, die von Teide-Gipfel hinunter führen, kann man hier besichtigen. Also stehen Jenny und ich früh auf und fahren ins Besucherzentrum. Erstmal erfahren wir, eigentlich geht es um den Kegel neben dem Teide. Der Guide erzählt, es gibt zwei Arten von Lava, AA-Lava, die wie brennendes Geröll aussieht - die haben wir vor einigen Wochen erkaltet auf dem Chinyero gesehen - und fließende Lava. Die mit bis zu 70 kmh fließende Lava bildet wegen der riesigen Temperaturdifferenz zur Luft sofort eine Kruste wie ein Brot im Ofen, sobald sie die Oberfläche erreicht. In der Mitte der Röhre bleibt es heiß und sie fleißig weiter. Hier erkaltet sie erst allmählich, da sie nun eingeschlossen ist wie in einer Thermoskanne. In der Höhle lässt sich an den Wänden wie bei Jahresringen von Bäumen die Temperatur der Lava ablesen, weiter unten war die Lava kälter und floss langsamer, weiter oben war sie heiser und floss schneller, sie hinterließ glattere Spuren. Am Schluss blieb ein bisschen Schlacke übrig und bildet einen schönen Boden...naja, fast, ganz schön spitz. Ich renne natürlich wie immer mit meinen Barfußschuhen rum. Das war ne schöne Massage und Mal wieder Thema bei den anderen Tourist*innen. 
Solche Lavaröhren kann man nur hier und auf Hawaii besichtigen. Die Cueva del Viento wurde hier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, knappe 200 Meter sind begehbar. Dafür wurde sie präpariert. Anker in den Wände, Gitter am Eingang und weitere Sicherheitsmaßnahmen. Cool ist allerdings, dass die Höhle zu 95% im Naturzustand geblieben ist - erinnert euch an den Spitzen Boden, den hätte man auch mit Beton aufgießen können, damit ich nen angenehmeren Gang habe. Dass das ganze natürlich bleibt, ist auch ein Anliegen des Teams des Besucherzentrums und der Wissenschaftler*innen. Sie alle geben Vollgas, damit genügend Leute die Höhlen sehen können und es nicht irgendwann Parkplätze, Touristenbusse und Pommesbuden am Eingang gibt. Ein Teil der Höhle wurde komplett abgesperrt und ist nur der Forschung zugänglich. Hier leben über 40 Arten, die es nur hier gibt! Wegen der drohenden Gefahr durch die Lava, krochen einige Vorfahren der Höhlen-Spinnen und Insekten in den Untergrund und bauten sich hier ein neues Leben auf. Sie opferten dafür Augen, Farbe und so weiter und mit der Zeit entstanden neue Arten. Eine Höhlen-Spinne kann monatelang fasten! Mein letztes Fasten endete nach 2 eineinhalb Tagen mit schlechter Laune. 😅
Aufgrund der Ursprünglichkeit müssen wir zu Beginn ein bisschen durch den Wald laufen, was aber wahnsinnig spannend ist, der Guide zeigt durch Klopfen, der Erdboden ist nicht besonders dick, wir stehen bereits über der Röhre. Das beweist auch eine Einbruchstelle, an der Mal eine alte Frau durchgebrochen ist. Sie überlebte den 15 Meter tiefen Sturz, Stoff für Legenden. Die Dorfbewohner*innen behaupteten, sie sei mit mehreren Ziegen abgestürzt und die Tiere hätten sie aufgefangen. Wahrscheinlicher - aber auch langweiliger😉 - ist, dass die Wurzeln der Nachbarbäume halfen. Durch ein ähnliches Loch im Boden finden wir unseren Einstieg in die Röhre. Unten ist es stockduster. Das beweist ein Experiment, bei dem wir alle unsere Stirnlampen für eine Minute ausschalten. Atemberaubend, still und dunkel. Dann geht es 200 Meter die Höhle entlang, ich darf in einen Seitenarm klettern, wir lernen etwas über faltige Lava und wissenschaftliche Experimente.
Die überprüfen den Grund, warum die Höhlen nicht auf eigene Faust zu erkunden sind - was ich anfangs überheblich dachte. Es gibt Kohlenmonoxid, andere Gase und radioaktive Strahlung. Außerdem kommt die Decke immer Mal wieder runter, Bimsstein aus'm Bad ist ja auch nicht besonders stabil. Da gab es schon Wandergruppen, die das unterschätzten. Die Mitarbeiter haben wegen der Strahlung Arbeitszeitbeschränkungen. 
Der Guide macht einen richtig guten Job, es sind 3 Stunden pure Unterhaltung gefüllt mit Wissen und Spaß. Die 20€ pro Person waren richtig gut investiert, selten bin ich so fansziniert von einem Ausflug zurück gekommen. Und dieses Mal sogar auf Deutsch, das haben wir in Spanien in den Altamira-Höhlen schon anders erlebt. Eine echte Empfehlung für jede*n, der*die die Kanaren besucht.

Adiós España und au plaisir de vous revoir France

Nachdem wir die Südküste Spaniens bereist haben, sagen wir dem Land vorerst Lebewohl und freuen uns auf die Côte d’Azur.


2022

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